Titelbild zum Blogbeitrag „Vertriebsprozesse im Unternehmen“ mit Lena Kamphaus von Kamphaus Consulting. Das Bild zeigt, wie Unternehmen durch strukturierte Vertriebsprozesse, klare Verantwortlichkeiten und effiziente Abläufe planbar mehr Kunden gewinnen.

Vertriebsprozesse im Unternehmen: Warum viele Unternehmen trotz Vertrieb zu wenig Kunden gewinnen

July 15, 20268 min read

Viele Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in ihren Vertrieb. Es werden Leads generiert, Angebote geschrieben und Verkaufsgespräche geführt. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Neukundengewinnung nicht wirklich planbar ist. Manche Monate laufen hervorragend, in anderen bleibt der Auftragseingang weit hinter den Erwartungen zurück.

Der Grund liegt häufig nicht darin, dass die Mitarbeitenden schlecht verkaufen oder zu wenig Anfragen eingehen. Viel häufiger fehlt ein klar strukturierter Vertriebsprozess. Statt eines Systems existieren lediglich einzelne Vertriebsaktivitäten, die zwar nebeneinander stattfinden, aber nicht konsequent aufeinander aufbauen.

Genau das beobachte ich in vielen mittelständischen Unternehmen. Marketing und Vertrieb arbeiten engagiert, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Es gibt keine klaren Verantwortlichkeiten, keine definierten Übergaben und oft auch keine Kennzahlen, anhand derer sich der Erfolg einzelner Prozessschritte bewerten lässt.

In diesem Beitrag erfährst du, wie erfolgreiche Vertriebsprozesse in Unternehmen aufgebaut sind, welche typischen Fehler immer wieder auftreten und wie du deinen Vertrieb Schritt für Schritt zu einem funktionierenden System entwickelst.

Was ist ein Vertriebsprozess?

Ein Vertriebsprozess umfasst alle Schritte, die notwendig sind, um aus einem potenziellen Interessenten einen Kunden zu gewinnen. Dabei endet der Prozess nicht mit der Unterschrift unter dem Angebot. Auch die Kundenbetreuung, Weiterempfehlungen und Zusatzverkäufe gehören zu einem professionellen Vertriebsprozess.

Entscheidend ist dabei weniger die Anzahl der Prozessschritte als deren klare Struktur. Jeder Mitarbeitende sollte jederzeit wissen, welche Aufgabe als Nächstes ansteht, wer verantwortlich ist und welche Informationen für die Übergabe benötigt werden.

Ein funktionierender Vertriebsprozess schafft dadurch Transparenz und sorgt dafür, dass Kundengewinnung nicht vom Zufall oder einzelnen Mitarbeitenden abhängt.

Titelbild zum Blogbeitrag „Vertriebsprozesse im Unternehmen“ mit Lena Kamphaus von Kamphaus Consulting. Das Bild zeigt, wie Unternehmen durch strukturierte Vertriebsprozesse, klare Verantwortlichkeiten und effiziente Abläufe planbar mehr Kunden gewinnen.
Ein klar definierter Vertriebsprozess schafft Transparenz, verbessert die Zusammenarbeit von Marketing und Vertrieb und macht die Neukundengewinnung planbar.

Das größte Missverständnis: Vertrieb beginnt nicht beim Verkaufsgespräch

Viele Unternehmen betrachten Marketing und Vertrieb noch immer als zwei voneinander getrennte Bereiche. Das Marketing soll möglichst viele Leads generieren, der Vertrieb diese anschließend in Kunden verwandeln.

Aus Unternehmenssicht klingt diese Aufgabenteilung logisch. Aus Sicht des Kunden existiert diese Trennung jedoch nicht.

Für ihn beginnt die Zusammenarbeit bereits mit der ersten Google-Suche, einer Empfehlung, einem LinkedIn-Beitrag oder dem Besuch deiner Website. Erst danach entscheidet er, ob er Kontakt aufnimmt und schließlich ein Verkaufsgespräch führt.

Deshalb beginnt ein funktionierender Vertriebsprozess nicht mit dem ersten Telefonat, sondern bereits beim ersten Berührungspunkt mit deinem Unternehmen. Marketing und Vertrieb verfolgen somit nicht unterschiedliche Ziele, sondern arbeiten gemeinsam an derselben Aufgabe: Interessenten systematisch zu Kunden zu entwickeln.

Woran erkennst du, dass dein Vertriebsprozess nicht funktioniert?

Viele Unternehmen glauben, sie hätten einen funktionierenden Vertriebsprozess. Tatsächlich existieren jedoch häufig lediglich einzelne Abläufe, die sich über Jahre entwickelt haben.

Typische Anzeichen dafür sind:

  • Jeder Vertriebsmitarbeitende arbeitet nach seiner eigenen Vorgehensweise.

  • Angebote werden erstellt, aber nicht konsequent nachverfolgt.

  • Marketing und Vertrieb diskutieren regelmäßig über die Qualität der Leads.

  • Niemand kann genau sagen, wie viele Leads tatsächlich zu Kunden werden.

  • Das CRM dient hauptsächlich als Kontaktverwaltung und nicht als Steuerungsinstrument.

  • Bei Urlaub oder Krankheit bleiben Interessenten liegen.

  • Umsatzprognosen basieren eher auf Erfahrung als auf belastbaren Kennzahlen.

Wenn mehrere dieser Punkte auf dein Unternehmen zutreffen, liegt das Problem meist nicht bei einzelnen Mitarbeitenden. Es fehlt ein klar definierter Vertriebsprozess.

Warum viele Vertriebsprozesse scheitern

Fehlende Standards

In vielen Unternehmen arbeiten erfahrene Verkäufer sehr erfolgreich – allerdings jeder auf seine eigene Weise. Solange das Team klein ist, funktioniert dieses Vorgehen häufig erstaunlich gut. Mit zunehmender Unternehmensgröße entstehen jedoch Unterschiede in der Qualität der Beratung, der Angebotsphase oder der Nachverfolgung.

Ein standardisierter Vertriebsprozess sorgt dafür, dass erfolgreiche Vorgehensweisen nicht vom Einzelnen abhängen, sondern im gesamten Unternehmen genutzt werden.

Unklare Verantwortlichkeiten

Wer übernimmt einen neuen Lead? Wann wird ein Interessent an den Vertrieb übergeben? Wer ist für das Nachfassen verantwortlich?

Bleiben diese Fragen unbeantwortet, entstehen Lücken im Prozess. Nicht, weil Mitarbeitende unmotiviert sind, sondern weil niemand eindeutig verantwortlich ist.

Fehlende Kennzahlen

Viele Unternehmen kennen ihren Umsatz, aber nicht die Ursachen dafür.

Wie hoch ist die Abschlussquote? Wie lange dauert der durchschnittliche Vertriebsprozess? An welcher Stelle gehen die meisten Interessenten verloren?

Ohne diese Informationen ist es nahezu unmöglich, den Vertrieb gezielt weiterzuentwickeln.

So baust du einen funktionierenden Vertriebsprozess auf

Ein guter Vertriebsprozess muss nicht kompliziert sein. Im Gegenteil: Je einfacher und verständlicher er aufgebaut ist, desto konsequenter wird er im Alltag gelebt. Für viele B2B-Unternehmen reichen bereits sieben klar definierte Phasen.

1. Aufmerksamkeit erzeugen

Der Vertriebsprozess beginnt bereits dort, wo potenzielle Kunden erstmals mit deinem Unternehmen in Kontakt kommen – beispielsweise über Suchmaschinen, Social Media, Empfehlungen, Veranstaltungen oder persönliche Akquise.

2. Leads qualifizieren

Nicht jeder Interessent passt automatisch zu deinem Angebot. Deshalb sollte früh geprüft werden, ob Bedarf, Budget und Zielgruppe grundsätzlich zusammenpassen. Je besser diese Qualifizierung funktioniert, desto effizienter arbeitet der Vertrieb.

3. Bedarfsanalyse durchführen

In dieser Phase geht es darum, die Situation des Kunden wirklich zu verstehen. Gute Vertriebsmitarbeitende verkaufen nicht sofort ihre Lösung, sondern stellen zunächst die richtigen Fragen. Erst wenn Herausforderungen, Ziele und Rahmenbedingungen klar sind, kann ein passendes Angebot entstehen.

4. Individuelle Lösungen anbieten

Ein Angebot sollte niemals eine reine Leistungsübersicht sein. Es sollte nachvollziehbar zeigen, wie die zuvor besprochenen Herausforderungen gelöst werden und welchen konkreten Mehrwert der Kunde erwarten kann.

5. Systematisch nachfassen

Einer der größten Fehler im Vertrieb besteht darin, Angebote zu versenden und anschließend auf eine Rückmeldung zu warten. Ein strukturierter Follow-up-Prozess stellt sicher, dass kein Interessent vergessen wird und jede Verkaufschance genutzt wird.

6. Abschluss und Onboarding

Mit der Vertragsunterschrift endet der Vertriebsprozess nicht. Ein professionelles Onboarding sorgt dafür, dass Kunden schnell Vertrauen aufbauen und erste Erfolge erzielen.

7. Bestandskunden entwickeln

Bestandskunden sind häufig die wertvollste Quelle für Folgeaufträge und Empfehlungen. Deshalb gehören regelmäßige Betreuung, Feedbackgespräche und Zusatzangebote ebenso zu einem funktionierenden Vertriebsprozess.

Welche Rolle spielt das Marketing?

Marketing und Vertrieb werden häufig als zwei getrennte Bereiche betrachtet. Tatsächlich greifen beide jedoch ineinander.

Marketing sorgt dafür, dass potenzielle Kunden auf dein Unternehmen aufmerksam werden und Vertrauen aufbauen. Der Vertrieb übernimmt diesen Vertrauensvorschuss und entwickelt daraus eine konkrete Geschäftsbeziehung.

Je besser beide Bereiche zusammenarbeiten, desto reibungsloser verläuft der gesamte Prozess. Deshalb sollten Lead-Definitionen, Kennzahlen und Verantwortlichkeiten gemeinsam entwickelt werden. Ein gemeinsames CRM und regelmäßige Abstimmungen helfen dabei, Informationsverluste zu vermeiden.

Die wichtigsten Kennzahlen für Vertriebsprozesse

Wer seinen Vertriebsprozess verbessern möchte, sollte Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus treffen.

Besonders hilfreich sind Kennzahlen wie:

  • Anzahl neuer Leads

  • Quote qualifizierter Leads

  • Terminquote

  • Angebotsquote

  • Abschlussquote

  • Durchschnittliche Dauer des Vertriebsprozesses

  • Durchschnittlicher Auftragswert

  • Kosten pro Neukunde

Diese Kennzahlen zeigen schnell, an welcher Stelle Optimierungspotenzial besteht.

Praxisbeispiel

Zwei Unternehmen investieren jeden Monat denselben Betrag in Marketing und gewinnen jeweils rund 40 neue Leads.

Im ersten Unternehmen werden Angebote geschrieben und anschließend auf Rückmeldungen gewartet. Nachfassaktionen erfolgen unregelmäßig und jeder Mitarbeitende dokumentiert seine Aktivitäten unterschiedlich.

Das zweite Unternehmen arbeitet nach einem klar definierten Vertriebsprozess. Jeder Lead wird qualifiziert, Gespräche werden dokumentiert, Angebote systematisch nachverfolgt und verlorene Verkaufschancen analysiert.

Obwohl beide Unternehmen gleich viele Anfragen erhalten, wird das zweite Unternehmen langfristig deutlich mehr Kunden gewinnen. Nicht weil das Marketing besser funktioniert, sondern weil der Vertriebsprozess konsequent umgesetzt wird.

Checkliste: Funktionieren deine Vertriebsprozesse?

Ein funktionierender Vertriebsprozess zeichnet sich dadurch aus, dass alle Mitarbeitenden denselben Ablauf kennen und konsequent anwenden. Prüfe deshalb regelmäßig:

  • Sind alle Prozessschritte dokumentiert?

  • Sind Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt?

  • Gibt es klare Übergaben zwischen Marketing und Vertrieb?

  • Werden alle Leads systematisch nachverfolgt?

  • Kennst du deine wichtigsten Vertriebskennzahlen?

  • Unterstützt dein CRM den Prozess aktiv?

  • Können neue Mitarbeitende den Ablauf schnell nachvollziehen?

Je mehr Fragen du mit „Ja" beantworten kannst, desto stabiler ist dein Vertriebssystem.

Häufige Fragen zu Vertriebsprozessen in Unternehmen

Was ist ein Vertriebsprozess?

Ein Vertriebsprozess beschreibt alle Schritte, die notwendig sind, um aus einem potenziellen Interessenten einen Kunden zu machen. Er beginnt nicht erst mit dem Verkaufsgespräch, sondern bereits beim ersten Kontakt mit deinem Unternehmen – beispielsweise über deine Website, eine Empfehlung oder einen LinkedIn-Beitrag. Ein klar definierter Vertriebsprozess sorgt dafür, dass alle Beteiligten nach denselben Abläufen arbeiten und keine Verkaufschancen verloren gehen.

Warum sind Vertriebsprozesse für Unternehmen so wichtig?

Ein strukturierter Vertriebsprozess schafft Transparenz und macht die Neukundengewinnung planbar. Statt von einzelnen Mitarbeitenden oder Zufällen abhängig zu sein, weiß jeder im Unternehmen, welche Schritte als Nächstes folgen, wer verantwortlich ist und welche Ziele erreicht werden sollen. Das erhöht nicht nur die Abschlussquote, sondern verbessert auch die Zusammenarbeit zwischen Marketing und Vertrieb.

Wie sieht ein typischer Vertriebsprozess im B2B aus?

Ein B2B-Vertriebsprozess umfasst in der Regel folgende Phasen:

  • Aufmerksamkeit erzeugen

  • Leads qualifizieren

  • Bedarfsanalyse durchführen

  • Individuelles Angebot erstellen

  • Systematisch nachfassen

  • Auftrag abschließen

  • Kunden betreuen und weiterentwickeln

Je nach Branche oder Geschäftsmodell können einzelne Schritte ergänzt oder zusammengefasst werden. Entscheidend ist, dass der Ablauf klar definiert und für alle Beteiligten nachvollziehbar ist.

Welche Rolle spielt das Marketing im Vertriebsprozess?

Marketing und Vertrieb verfolgen dasselbe Ziel: neue Kunden zu gewinnen. Während das Marketing potenzielle Kunden auf dein Unternehmen aufmerksam macht und Vertrauen aufbaut, übernimmt der Vertrieb den persönlichen Kontakt und begleitet Interessenten bis zum Abschluss. Besonders erfolgreich sind Unternehmen, bei denen beide Bereiche eng zusammenarbeiten und gemeinsame Ziele sowie Kennzahlen verfolgen.

Woran erkenne ich, dass unser Vertriebsprozess verbessert werden sollte?

Typische Hinweise sind eine geringe Abschlussquote, verlorene Leads, fehlende Nachfassprozesse oder Diskussionen zwischen Marketing und Vertrieb über die Qualität der Anfragen. Auch wenn jeder Vertriebsmitarbeitende anders arbeitet oder niemand genau sagen kann, an welcher Stelle Interessenten abspringen, lohnt sich eine Analyse des bestehenden Vertriebsprozesses.

Welche Kennzahlen sollte ich regelmäßig messen?

Zu den wichtigsten Kennzahlen gehören unter anderem:

  • Anzahl neuer Leads

  • Quote qualifizierter Leads

  • Terminquote

  • Angebotsquote

  • Abschlussquote

  • Durchschnittliche Dauer des Vertriebsprozesses

  • Durchschnittlicher Auftragswert

  • Kosten pro Neukunde

Diese Kennzahlen helfen dir dabei, Engpässe im Vertriebsprozess zu erkennen und gezielt zu optimieren.

Brauche ich für einen guten Vertriebsprozess zwingend ein CRM-System?

Ein CRM-System ist eine wertvolle Unterstützung, ersetzt aber keinen funktionierenden Vertriebsprozess. Zunächst sollten die Abläufe, Verantwortlichkeiten und Übergaben klar definiert werden. Erst anschließend lohnt es sich, diese Prozesse in einem CRM abzubilden und zu automatisieren. Ein schlechtes System wird durch ein gutes CRM nicht automatisch besser.

Lena Kamphaus

Lena Kamphaus

Lena Kamphaus ist Gründerin von Kamphaus Consulting und unterstützt Unternehmen dabei, Marketing und Vertrieb als funktionierendes System aufzubauen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der planbaren Neukundengewinnung im B2B. Statt einzelner Marketingmaßnahmen entwickelt sie Strategien und Prozesse, mit denen Unternehmen nachhaltig qualifizierte Leads gewinnen, Vertriebsengpässe erkennen und langfristig wachsen. Ihre Erfahrungen aus Marketing, Vertrieb und Unternehmensberatung teilt sie regelmäßig in Fachartikeln, Webinaren und der Kamphaus Consulting Academy.

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